Adimi, Kaouther: Steine in meiner Hand

Rezension Kaouther Adimi – Steine in meiner Hand

Klappentext:

Aufgewachsen in Algier, baut sich die junge Erzählerin in Paris ein eigenständiges Leben auf. Als anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester ein Besuch in der Heimat bevorsteht, wird sie von ihrer Vergangenheit, den Erwartungen der Familie und ihren eigenen Ängsten und Fragen an die Zukunft eingeholt. Klug und bisweilen schwankend zwischen Nostalgie und frechem Witz durchleuchtet sie ihre traditionelle Erziehung ebenso wie ihre Freuden und Leiden in der europäischen Grossstadt. Vor allem aber macht ihr das halbfreiwillige Singledasein als Dreissigjährige zu schaffen.

In ihrem zweiten Roman beobachtet Kaouther Adimi den Balanceakt einer jungen Frau, die ihre Identität zwischen unterschiedlichen Welten und Lebensentwürfen sucht. Wunderbar selbstironisch und humorvoll umkreist sie diese grossen Fragen des Lebens und lässt dabei tief in die Befindlichkeit einer ganzen Generation blicken.

Meinung:

Der Spagat zwischen Tradition, Familie und Moderne ist oft nicht leicht. Das muss auch die junge Algerien in diesem Buch immer wieder feststellen, möchte die Mutter sie doch am liebsten verheiratet sehen, denn das scheint ja das einzige zu sein, was ehrbar ist und wo sie ihre Tochter versorgt sieht. Dass diese aber ein ganz gutes Leben in Paris führt, das zählt in den Augen der Mutter nicht. Und so legt die Erziehung der Erzählerin ihr immer wieder Zweifel in den Weg: Warum finde ich keinen Mann, warum bin ich so wählerisch, warum heiratet meine Schwester vor mir?

Umso schmerzhafter ist hier der Weg zur Erkenntnis der eigenen Wünsche und dem eigenen, selbstständigen Leben, ungeachtet der Meinung der Familie und der Traditionen.

Kaouther Adimi beschreibt eindrucksvoll, wie schwierig diese Gradwanderung ist, wie schwer es ist, sich von anerzogenen Vorstellungen zu lösen und wie sehr die Herkunft das Wesen eines Menschen prägt.

In zarten, leichten Worten verpackt sie ihre Botschaft in dieser eingängigen Lektüre. Selten habe ich ein sprachlich so schönes Buch gelesen, dessen Inhalt sich dem Leser nach und nach eröffnet. Ein wirklich schönes, kleines Juwel von einem Buch, dass die Werte der Frau feiert und den Leser zum Nachdenken anregt, sowie einen faszinierenden Blick auf einen anderen Kulturkreis eröffnet.

 

Fazit:

Steine in meiner Hand ist ein kleines Juwel von einem Buch. Sprachlich wunderschön erzählt es die Geschichte einer Frau, die zwischen Tradition und Moderne steckt und ihren Weg finden muss.

Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

Preis

Gebunden: 19,90 Euro

 

Verlag: Lenos
ISBN: 978 3 85787 480 2
Seitenzahl: 180
Übersetzer: Regina Keil-Sagawe

Vielen Dank an den Lenos Verlag für das Rezensionsexemplar.

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